DRUCKAUSGLEICH

 

„Der freie Fall ist die schönste Phase des Tauchgangs. Ich schwimme nicht mehr, sondern gleite lautlos und entspannt in die Tiefe, während es um mich herum dunkler wird und ich spüre, wie das Wasser über mein Gesicht fließt.“

 

Im Herbst 2016 entschied sich Jennifer Wendland ihren Arbeitgeber um eine Auszeit zu bitten, ihren Lebensmittelpunkt nach Ägypten zu verlegen und dort für die Freitauch WM auf Roatán Ende August 2017 zu trainieren, von wo sie mit einem 3. Platz zurückkehrte. Seit Ende Juni 2017 hält sie bereits alle deutschen Tieftauchrekorde im Meer.

Als Freitaucher lernt man sich selbst sehr intensiv kennen, sowohl welche physischen Veränderungen der Körper während eines Tauchgangs erfährt, als auch wie man die mentale Stärke entwickelt in großer Tiefe und weit entfernt vom nächsten Atemzug entspannt zu bleiben. Nur durch große Entspannung und effiziente Bewegungen kann ein Freitaucher mit den Sauerstoffreserven eines einzigen Atemzugs für mehrere Minuten unter Wasser bleiben. Die notwendige Entspannung erreicht er, wenn er durch viel Erfahrung und Selbstvertrauen in der Lage ist seine Emotionen - insbesondere Angst - zu kontrollieren.
 
Für einen Tauchgang auf über 80m Tiefe ist Jennifer je nach Disziplin bis zu drei Minuten unter Wasser. Die ersten Meter in die Tiefe muss sie gegen den Auftrieb ihres Neoprenanzugs und der Luft in ihrer Lunge kämpfen. Dieser lässt durch den zunehmenden Wasserdruck nach, so dass sie nach 20m im freien Fall Richtung Meeresgrund sinkt. Sie muss sich dann darauf konzentrieren durch spezielle Techniken den zunehmden Druck in ihren Ohren regelmäßig auszugleichen, um zu vermeiden, dass ihre Trommelfelle reißen. Auf 80 Metern Tiefe herrscht ein Druck von 9 bar und ihre Lunge schrumpft auf die Größe einer Faust. Den Weg nach oben muss Jennifer komplett schwimmen, das ist der anstrengendste Teil jedes Tauchgangs. Erst auf den letzten Metern, wenn die Lunge sich wieder auf ihre normale Größe ausdehnt, hilft der Auftrieb für den Weg nach oben.